Im ausführlichen Glossar werden wichtige (Fach)Begriffe aus dem Orientierungsplan erläutert. Das ausführliche Glossar schließt an das Glossar im Anhang des weiterentwickelten Orientierungsplans an. 

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Was sind Kernwissen?

Theorien zum Kernwissen basieren auf der Kleinkindforschung und gehen davon aus, dass Babys von Geburt an mit angeborenem Wissen in zentralen Bereichen wie Raum, Zeit, Zahlen und der Unterscheidung zwischen lebenden und nicht lebenden Dingen ausgestattet sind. Diese angeborenen Wissensstrukturen helfen Kindern, intuitive Theorien zu entwickeln, die ihnen das Verständnis grundlegender Konzepte wie Physik, Biologie und die Theorie des Geistes erleichtern. Im Gegensatz zu den traditionellen, bereichsübergreifenden Theorien wie denen von Piaget, betonen Theorien zum Kernwissen die frühe Kompetenz und die spezifische Entwicklung in verschiedenen kognitiven Domänen.

Was bedeutet Kinderstimmlage?

Das Instrument „Stimme“ ist bei Kindern wesentlich kleiner als bei Erwachsenen, deswegen ist ihr Stimmklang heller und höher. Damit Kinder ihre Stimme in einer für sie physiologisch gesunden und angenehmen Stimmlage singen können, sollte nicht tiefer als c1 gesungen werden. Bei ungeübten Erwachsenen kann das Singen in der als „hoch“ wahrgenommenen Kinderstimmlage als anstrengend empfunden werden. Durch Übung kann die Muskulatur für das „hohe“ Singen trainiert werden.

Was bedeutet Kindgerichtete Sprache?

Kindgerichtete Sprache, früher als Ammensprache oder „motherese“ bekannt, ist eine besondere Kommunikationsform, die von der üblichen Erwachsenenkommunikation abweicht. Sie zeichnet sich durch veränderte Prosodie (dazu gehören u. a. die Satzmelodie, das Sprechtempo, der Sprechrhythmus sowie Pausen und Betonungen), spezifische Wortwahl und häufige Wortwiederholungen aus. Diese Anpassungen helfen Kindern, bedeutungsvolle Sprachsequenzen besser aus dem Sprachfluss zu erkennen und zu verarbeiten, was ihre Sprachentwicklung fördert. Kindgerichtete Sprache wird in verschiedenen Kulturen unterschiedlich praktiziert und kommt nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei älteren Kindern in der Kommunikation mit jüngeren Kindern vor.

Was bedeutet Klangmittel?

Musiziert werden kann mit dem eigenen Körper, elementaren Instrumenten, Selbstbauinstrumenten, Materialien wie Alltags-, Sammel-, Natur-, Rhythmik-Materialien sowie mit Objekten in der Landschaft.

Was bedeutet Ko-Konstruktion, ko-konstruktiv?

Der Begriff Ko-Konstruktion/ko-konstruktiv besagt, dass das Erarbeiten und Erlangen von Wissen und Bedeutungen durch soziale Interaktionen gefördert wird. Durch die Auswahl von Aufgaben und Aktivitäten durch die pädagogische Fachkraft, erlernt das Kind bestimmte Denkweisen sowie soziale und kulturelle Inhalte. Die Rolle der pädagogischen Fachkraft besteht darin, Partnerin / Partner im Lernprozess zu sein, indem sie Interessen des Kindes aufgreift, gemeinsame Aktivitäten anstößt und Dialog fördert.

Was bedeutet Ko-Regulation, ko-regulativ?

Die Regulierung von Emotionen zählt zu den größten Herausforderungen der frühen Entwicklung. Zu Beginn unterstützen Eltern ihr Kind durch Ko-Regulation dabei, Erregungen zu regulieren, indem sie die Konfrontation mit Außenreizen beschränken und ihr Baby beruhigen oder ablenken, wenn es überfordert oder ängstlich ist. Ko-Regulation ist ein Gelingensfaktor dafür, dass das Kind seine Selbstregulationsfähigkeiten immer weiter ausbaut. In der Kita unterstützen pädagogische Fachkräfte das Kind darin, seine Gefühle zu regulieren, indem sie seine Signale sensibel und aufmerksam wahrnehmen und situationsangemessen reagieren.

Was bedeutet Kongruenz?

In der Pädagogik, insbesondere in der Kleinkindpädagogik, wird der Begriff der Kongruenz oft nach Carl Rogers, dem Begründer der Personenzentrierten Gesprächstherapie, definiert. Kongruenz bedeutet für Rogers Echtheit, Unverfälschtheit und Transparenz seitens der pädagogischen Fachkraft. Diese muss sich dem Kind gegenüber so zeigen, wie sie wirklich ist, also offen über ihre Gefühle und Einstellungen sprechen und sich nicht hinter Rollen oder Floskeln verstecken. Eine echte, emotionale Beziehung von Person zu Person ist entscheidend, damit das Kind in der Beziehung wachsen kann. Die Fachkraft versteht sich dabei als Helferin, die ebenfalls durch die Beziehung gestärkt wird und neue Lernerfahrungen macht.

Was bedeutet Kontingenz?

Allgemein beschreibt Kontingenz die Abhängigkeit eines Ereignisses von anderen Faktoren oder Bedingungen, wobei das Auftreten eines Ereignisses oft von der Erfüllung bestimmter Bedingungen oder dem Vorhandensein bestimmter Faktoren beeinflusst wird. In der Verhaltenspsychologie wird Kontingenz untersucht, um zu verstehen, wie oft ein bestimmtes Verhalten zu einer Belohnung oder Bestrafung führt. Eine starke Kontingenz bedeutet, dass ein Verhalten regelmäßig zu einem spezifischen Ergebnis führt. In der kognitiven Psychologie bezieht sich Kontingenz auf die Art und Weise, wie Gedanken, Erwartungen oder Überzeugungen das Verhalten beeinflussen.

Was bedeutet Kurzzeitgedächtnis (KZG)/ Arbeitsgedächtnis (AG)?

Das Ultrakurzzeitgedächtnis speichert Sinneseindrücke für Millisekunden bis 10–15 Sekunden. Nur wichtige Informationen gelangen ins Kurzzeitgedächtnis, das eine begrenzte Menge an Daten kurzfristig verfügbar hält. Für kognitive Aufgaben reicht das Kurzzeitgedächtnis jedoch nicht aus, da es lediglich passiv speichert. Hier kommt das Arbeitsgedächtnis ins Spiel, das Informationen nicht nur speichert, sondern auch aktiv verarbeitet. Es ist entscheidend für das Lernen, da es die vorübergehende Aufrechterhaltung und Manipulation von Informationen ermöglicht.