Im ausführlichen Glossar werden wichtige (Fach)Begriffe aus dem Orientierungsplan erläutert. Das ausführliche Glossar schließt an das Glossar im Anhang des weiterentwickelten Orientierungsplans an. 

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Was bedeutet Scaffolding?

Scaffolding (englisch: scaffold = Gerüst) bedeutet, dass eine erwachsene Person beim Unterstützen eines Kindes darauf bedacht ist sowohl eine Unter- als auch eine Überforderung zu vermeiden. Sie macht sich dabei die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kindes bewusst und hilft dem Kind dabei, eine Aufgabe weitestgehend selbstständig zu lösen. Zum Scaffolding gehört auch, Kinder darin zu unterstützen, Lösungsstrategien auf andere Situationen zu übertragen.

Was bedeutet Screening/Screeningverfahren?

Der Begriff Screening beschreibt die systematische Durchführung von Testverfahren bzw. Kurztests, um Risiken in der Entwicklung zu erkennen. Ein Screening zeigt nur, ob eine Entwicklung auffällig ist, jedoch nicht, um welche Entwicklungsstörung es sich handelt.

Was sind Sekundäre Emotionen?

Sekundäre Emotionen zeichnen sich gegenüber den Basisemotionen durch eine höhere Komplexität aus und sind (kognitiv) voraussetzungsreicher. Daher treten sie später in der Entwicklung auf. Zu den sekundären Emotionen zählen Verlegenheit, Peinlichkeit, Stolz, Scham und Schuld.

Was bedeutet Selbstkonzept?

Das Selbstkonzept umfasst Wissen, das ein Mensch von sich selbst hat. Das Gesamtsystem der Überzeugungen und Vorstellungen zur eigenen Person und deren Bewertung. Dazu gehört u. a. das Wissen über persönliche Eigenschaften (Persönlichkeitsmerkmale), Fähigkeiten und Kompetenzen, Interessen, Gefühle und Verhalten.

Was bedeutet Selbstregulation?

Selbstregulation bezeichnet die Fähigkeit, das eigene Verhalten, Denken und Fühlen bewusst zu steuern – insbesondere in herausfordernden oder sozial bedeutsamen Situationen. Sie ermöglicht es Kindern und Erwachsenen impulsives Handeln zu kontrollieren, Emotionen angemessen auszudrücken, sich auf Ziele zu konzentrieren und soziale Erwartungen zu berücksichtigen. Die Entwicklung der Selbstregulation ist eng mit der Entwicklung der exekutiven Funktionen verknüpft.

Was bedeutet Selbstwirksamkeit?

Selbstwirksamkeit, ein Konzept aus Banduras sozial-kognitiver Theorie, bezieht sich auf das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen. Sie wirkt als Moderator im Ziel-Leistungs-Zusammenhang: Ein starkes Selbstwirksamkeitsgefühl fördert die Leistung, indem es die Motivation steigert und die Bereitschaft erhöht, herausfordernde Ziele anzunehmen. Personen mit hohem Selbstwirksamkeitsgefühl übernehmen externe Ziele eher als persönliche und reagieren auf Rückmeldungen zu ihrem Fortschritt mit erhöhter Anstrengung. Im Gegensatz dazu können Menschen mit niedrigem Selbstwirksamkeitsgefühl bei negativen Rückmeldungen schneller resignieren und die Zielverfolgung aufgeben.

Was bedeutet Sensorische Wahrnehmung?

Sensorische Wahrnehmung bezeichnet die Aufnahme und Verarbeitung von Reizen über die Sinnesorgane: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten und Gleichgewichtssinn. Sie ermöglicht es dem Kind, seine Umwelt zu erfassen, auf Reize zu reagieren und Erfahrungen zu sammeln. Bereits in der frühen Kindheit spielt sensorische Wahrnehmung eine zentrale Rolle beim Erkunden und Lernen. Beim Essen etwa entscheiden Geruch, Geschmack, Aussehen, Konsistenz und Geräusche darüber, ob etwas als angenehm empfunden wird. Durch wiederholte Erfahrungen können sich Vorlieben ändern und Sinneseindrücke verfeinern. Die Sensorische Wahrnehmung beeinflusst somit unser Verhalten, Erleben und die Entwicklung von Urteilsfähigkeit.

Was bedeutet Skript?

Kinder bauen zu wiederkehrenden Abläufen im Alltag Skripte auf. Ähnlich einem Drehbuch unterstützen Skripte dabei, den geforderten Handlungsablauf zunehmend selbständig umsetzen zu können: „immer wenn das kommt, darf/soll/kann ich …“. Die Skripte geben dem Kind Orientierung und unterstützen den Aufbau seiner Alltagskompetenz. Die pädagogischen Fachkräfte unterstützen durch ihr abgestimmtes Handeln diesen Prozess; d. h. es liegen differenzierte Ausarbeitungen des jeweiligen Ablaufs vor, die verbindlich und personenunabhängig umgesetzt werden. Das pädagogische Team trägt Verantwortung für die laufende Überprüfung und Nachsteuerung der Abläufe.

Was sind Spontangesänge?

Spontangesänge beschreiben Situationen, in denen Kinder selbstversunken vor sich hinsingen und beschreiben, was sie denken, spielen oder tun. Text und Melodie sind häufig frei erfunden, können aber auch von bekannten Liedern stammen. Man spricht hierbei auch von singendem Erzählen.

Was sind Stereotype?

Kognitiv betrachtet sind Stereotype vereinfachte mentale Kategorien, die dazu dienen, Informationen über andere Personen schnell zu verarbeiten und zu organisieren. Sie helfen dabei, die Komplexität sozialer Interaktionen zu reduzieren, indem sie allgemeine Annahmen über Gruppen bilden. Diese kognitiven Abkürzungen ermöglichen es, rasch Urteile über andere zu fällen, ohne detaillierte Informationen sammeln zu müssen. Obwohl sie die Informationsverarbeitung erleichtern, führen Stereotype oft zu Verzerrungen und Fehlern, da sie individuelle Unterschiede ignorieren und übergeneralisiert sind. Diese kognitive Tendenz kann die Wahrnehmung und das Verhalten beeinflussen, was zu ungerechten Beurteilungen und Problemen in sozialen Interaktionen führen kann.